Hitler wurde schon 1922 von Ford finanziert

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Bereits 1922 war allgemein bekannt, dass die nationalsozialistische „Bewegung“ von außen massiv finanziell unterstützt wurde. Ein Artikel in der New York Times aus dem Jahre 1922 spricht ganz offen über die Entwicklungshilfe, die Hitler und seinen Gefolgsleuten durch den Automobil-Milliardär Henry Ford zuteil wurde. Hitlers amerikanische Lehrer präsentiert jetzt eine eigene Übersetzung ins Deutsche:

Berlin erfährt, dass Ford Hitler unterstützt

Bayrischer Antisemiten-Chef hat das Porträt des Amerikaners und dessen Buch in seinem Büro

New York Times, 20. Dezember 1922. Seite 2

Gibt das Geld verschwenderisch aus

Eine deutsche Zeitung appelliert an den Botschafter der USA, eine Untersuchung anzuordnen

Sondertelegramm an die New York Times vom 10. Dezember 1922

Ein Gerücht geht hier um, dass Henry Ford, der amerikanische Automobilhersteller, Adolf Hitlers nationalistische und antisemitische Bewegung in München finanziert. Tatsächlich hat das Berliner Tageblatt einen Appell an den amerikanischen Botschafter in Berlin geschickt, Untersuchungen anzustrengen und einzugreifen.

Zweifellos gibt es einige Gründe für den Verdacht, dass Hitler ausländisches Geld ausgibt. Denn, so bemerkt die Zeitung, was seine Anhänger in ganz Deutschland an Beiträgen für seine Bewegung beisteuern, könnte schwerlich ausreichen, um solche gewaltigen Ausgaben zu decken, wie es seine persönlichen und geschäftlichen Unternehmungen erfordern. Seine geräumigen Hauptquartiere in München sind exquisit eingerichtet und seine Organisation beschäftigt eine ganze Menge hochbezahlter Offiziere und Angestellter.

Letzten Sonntag inspizierte Hitler das so genannte Sturmbataillon, das seiner Organisation zugeordnet ist, mit 1.000 jungen Männern in brandneuen Uniformen, alle bewaffnet mit Revolvern und Totschlägern, die sie allerdings verborgen tragen. Selbstverständlich fragen sich friedfertige Mitbürger, wer denn diese Uniformen und Waffen bezahlt hat, und wer die gewaltigen Ausgaben übernommen hat für die sechs Versammlungen, die Hitler am selben Tag in ganz München abhielt, und wer die beiden gut motorisierten brandneuen Autos bezahlt hat, in denen Hitler und sein Stab von einer zur anderen Versammlung geeilt ist.Reichsparteitagnov1935

Die Wand neben dem Schreibtisch in Hitlers Privatbüro ist ausgeschmückt mit einem großen Bild von Henry Ford. Im Vorzimmer befindet sich ein großer Tisch mit Büchern, und nahezu alle diese Bücher sind Übersetzungen eines Buches, das Ford geschrieben und veröffentlicht hat. Wenn man einen von Hitlers Untergebenen nach dem Grund für Fords Beliebtheit in diesen Kreisen fragt, dann wird er wissend schmunzeln, aber nichts sagen.

Auch in nationalistischen Kreisen Berlins vernimmt man häufig den Namen von Ford aus dem Munde von Leuten, die so ziemlich die Letzten wären, mit denen ein Amerikaner, der die republikanische Verfassung achtet, irgendwelchen Kontakt wünschen würde.

Der Korrespondent der New York Times ist in der Lage zu berichten, dass gewisse Kreise, deren Aufgabe die Herstellung von Propaganda für das Haus Hohenzollern ist, sich an Henry Ford gewandt haben – dessen Name ihnen zugespielt wurde als einem Mann, der auf solche Anfragen positiv reagiert – wegen finanzieller Unterstützung.

Es muss zugestanden werden, dass die Antwort negativ ausfiel. Mister Ford hat nicht in die monarchistische Propaganda investiert. Tatsächlich hat er das jenen Leuten klar gemacht, die nach Rückkehr von Wilhelm verlangen. Und diese Tatsache könnte verantwortlich sein für die Anstrengungen, die Hitler bei jeder Gelegenheit unternimmt um zu bekennen, dass er keine monarchistische Bewegung unterstützt, ob nun Hohenzollern, Wittelsbach oder für welchen Prinzenanwärter auch immer.

Wenn nun die Münchner Regierung seine militärische Organisation, seine Ausschreitungen gegen Recht und Gesetz, seine Reden, in denen er sein Publikum aufstachelt, Juden und Sozialisten zu ermorden, toleriert; dann gibt es nur eine Erklärung, sagen die Berliner Beobachter, nämlich, dass diese Behörden Hitlers Bekenntnis, kein Interesse zu haben an den Wittelsbachern oder den Hohenzollern, nicht sehr ernst nehmen, ungeachtet des Bildes, das sein Privatbüro ziert.

Es wird hier spekuliert, ob Hitlers Überraschungsauftritte in norddeutschen Städten ein Ende haben werden, wenn jetzt die nationalistischen Judenhasser in Berlin von sich aus eigene Ortsgruppen aufgemacht haben unter der Führung von Reventlow und von Graefe, wie wir gestern berichteten. Reventlow hat bereits Büros für seine neue Deutschvölkische Freiheitspartei eröffnet.

 

Sondernachricht für die New York Times

 

Detroit, 19. Dezember. Henry Ford konnte heute nicht befragt werden, aber sein Generalsekretär, E.G. Liebold, sagte, er wisse nichts von den Berichten über ihn in Berlin.

 

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